Beitrags- bzw. Veranlagungsbescheid der Berufsgenossenschaft

Haben Sie einen Beitragsbescheid oder einen Veranlagungsbescheid der Berufsgenossenschaft erhalten? Sie sind der Auffassung, dass der Beitrag zu teuer ist? Sie wollen Ihre Lohnnebenkosten senken? Dann kann sich eine Überprüfung des Beitrags durchaus lohnen. Lassen Sie sich beraten.

Die Beiträge zur Berufsgenossenschaften werden ausschließlich von Unternehmen getragen. Die Berufsgenossenschaften sind zuständig für die Erhebung der Beiträge. Die Höhe der Beiträge bemisst sich nach verschiedenen Faktoren. Maßgeblich ist die Einordnung Ihres Unternehmens zu einer Tarifstelle bzw. Gefahrenklasse. Der Gefahrtarif ist die Satzung der Berufsgenossenschaft. Die Einordnung folgt der jeweiligen Satzung Ihrer Berufsgenossenschaft. Ihr Unternehmen wird einem bestimmten Unternehmenszweig zugeordnet; die Tarifstelle gibt sodann die Gefahrklasse vor.

Wenn Sie von der Berufsgenossenschaft oder aus Unwissenheit der Ihnen zustehenden Möglichkeiten falsch eingeordnet werden, zahlen Sie zu hohe Beiträge. Durch die falsche Einordnung können je nach Unternehmensgröße mehrere Tausend Euro pro Jahr zu viel gezahlt werden.

1. Einordnung in die richtige Berufsgenossenschaft?

Die erste Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt ist, welche Berufsgenossenschaft ist überhaupt zuständig? Die richtige Zuordnung folgt der Unternehmensbeschreibung, die die Berufsgenossenschaft bei Gründung eines Unternehmens einfordert. Hier stellen sich die Weichen für die grundsätzliche Einordnung zu einer spezifischen Berufsgenossenschaft. Die Berufsgenossenschaft ordnet das Unternehmen auf Grundlage Ihrer Angaben ein und teilt Ihnen die Einordnung mit Bescheid mit. Gegen diesen Bescheid können Sie innerhalb eines Monats nach Zugang des Bescheids Widerspruch einlegen.

Übersicht Berufsgenossenschaften:

Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI)
(Entstanden durch Fusion der Bergbau-Berufsgenossenschaft, der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie, der Papiermacher-Berufsgenossenschaft, der Lederindustrie-Berufsgenossenschaft und der Zucker-Berufsgenossenschaft)Berufsgenossenschaft Holz und Metall

(Entstanden am 01.01.2011 durch Fusion der Hütten- und Walzwerks-Berufsgenossenschaft, Maschinenbau- und Metall-Berufsgenossenschaft, Berufsgenossenschaft Metall Nord Süd und Holz-Berufsgenossenschaft)

Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM)

(Entstanden durch Fusion der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro und der Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung ab 01.01.2010. Weitere Vorläufer: Berufsgenossenschaft der Gas-, Fernwärme- und Wasserwirtschaft, Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Textil- und Bekleidungs-Berufsgenossenschaft)

Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe

(Entstanden am 01.01.2011 durch Fusion der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten mit der Fleischerei-Berufsgenossenschaft)

Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft – BG BAUBerufsgenossenschaft Handel und Warendistribution

(Entstanden durch Fusion der Berufsgenossenschaft für den Einzelhandel und der Großhandels- und Lagerei-Berufsgenossenschaft)

Verwaltungs-Berufsgenossenschaft

(Entstanden durch Fusion der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft mit der Berufsgenossenschaft der Straßen-, U-Bahnen und Eisenbahnen ab 01.01.2010. Weiterer Vorläufer: Berufsgenossenschaft der keramischen und Glas-Industrie)

Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft

(Entstanden durch Fusion der Berufsgenossenschaft für Fahrzeughaltungen und der See-Berufsgenossenschaft ab 01.01.2010)

Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)

Angaben aus: „Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung“ (www.dguv.de)

2. Einordnung in die richtige Gefahrenklasse

Sind Sie einer Berufsgenossenschaft zugeordnet worden, richtet sich Ihre Beitragslast unter anderem nach der Einordnung zu einer spezifischen Gefahrklasse. Die Höhe der Beiträge hängt maßgeblich von dieser Zuordnung ab. Die Gefahrklasse bestimmt den Faktor nach dem sich der Beitrag errechnet. Je nach Gefahrklasse kann der Faktor von z.B. 0,8 bis 27,3 schwanken. Die Lohnnebenkosten können damit also erheblich schwanken. Wenn die Einordnung nicht ganz eindeutig ist, ergeben sich Bewertungsspielräume, die Sie für sich nutzen können.

3. Einordung der unterschiedlichen Geschäftsbereiche

Möglicherweise besteht Ihr Unternehmen aus mehreren organisatorischen Einheiten (Betriebe) oder verfolgt mit unterschiedlichen Abteilungen völlig unabhängige unternehmerische Zwecke. Je nach Gefahrentarif der für Sie zuständigen Berufsgenossenschaft, kann diese Differenzierung Ihres Betriebs genutzt werden, um für die eigenständigen Nebenunternehmen bzw. Hilfsunternehmen die Zuordnung der Mitarbeiter zu einer gesonderten Gefahrenklasse zu erreichen.

Fazit:

Die Beiträge (Basis- und Strukturumlage) für die jeweilige Berufsgenossenschaft errechnen sich aus den Faktoren Arbeitsentgelt, Gefahrenklasse und Beitragsfuß. Durch eine Überprüfung der Gefahrenklasse und die darauf beruhende Veranlagung kann eine Verringerung des Faktors „Gefahrenklasse“ für Unternehmen erhebliche Einsparungen mit sich bringen. Diese Veränderungen wirken sich langfristig im jeweiligen Beitragsbescheid aus.

Eine Überprüfung des Beitragsbescheids bzw. Veranlagungsbescheids kann sich daher lohnen.Rechtsanwalt Sebastian Jannsen

Bei der Überprüfung der Bescheide berät Sie Herr Rechtsanwalt Sebastian Jannsen  gerne. Er ist kompetenter Ansprechpartner in wirtschafts- und personalrechtlichen Fragestellungen.